Die „Pénitentsblancs“ von Montpellier

 

und die

Kapelle Sainte-Foy

 

 

 

 

Führung durch die Kapelle

 

Die Außenfassade stammt zum Teil aus dem 12. und 13. Jh. mit einer Glocke aus dem Jahr 1401.  Der Bogen zum gegenüberliegenden Palais wurde im 15. Jh. angebaut. Das Portal und der sich dahinter befindende Windfang von 1747 sind ein schönes Beispiel für den Rocaille-Stil. Nach dem Wiederaufbau im Jahr 1626 bezeichnete man die Kapelle als eine „Lagerhalle“ wegen ihrer „weißen Wände und dem nackten Gebälk“. Die Innenausstattung erfolgte zwischen 1641 und 1706. Der „Pénitentblanc“ sollte sich „umfangen fühlen von Kunstwerken, die zum Gebet führen“. Die Ausschmückung wurde im 19. Jh. restauriert und vervollständigt. Sie umfasst im wesentlichen:

Einegegliederte Decke aus dem 17. Jh., die hauptsächlich den Kunstmalern Paul Pezet und Simon Raoux aus Montpellier zugeschrieben wird. Das Programm stellt im Geiste des Konzils von Trient das Leben Jesu Christi eingerahmt von den vier Evangelisten dar. Die restlichen sechs Gemälde gingen während der Franzö-sischen Revolution verloren. Die Medaillons und die Malereien oberhalb der Fensterstammen von  Antoine Ranc.

Die Wandvertäfelungaus vergoldetem Holz wurde zwischen 1698 und 1706 von Augustin-Charles d’Aviler entworfen und ausgeführt, der unter anderem der Schöpfer des Triumphbogens am Peyrou war. Zu Ende des 19. Jh. wurden die „Pénitentsblancs“ gezwungen, die Fenster an der Südseite zuzumauern, wodurch seitdem der Innenraum der Kapelle in Dunkelheit getaucht ist.

Der untere Teil der Wände ist mit folgenden Gemäldengeschmückt (v.a.19. Jh.):

Auf der Seite der Kanzel, ausgehend vom Hauptaltar: „Hl. Ludwig  verehrt die Hl. Épine“, „Hl. Jérome in der Wüste“, „Hl. Johannes der Täufer“ (Vien, Kopie), „Kreuzigung“ (17. Jh., auf der Rückwand der Kanzel),  „Rast der Hl. Familie“und „Pietà“.

Auf der gegenüberliegenden Seite:„Das Gelübde von Ludwig XIII“,„die Samariterin“, „Hl. Genoveva“ (18. Jh.), die Seitenkapelle der Hl. Jungfrau  (Altar 2015 restauriert), „Unbeflecktes Herz Mariens“, „Kreuzabnahme“, Altar „Hl. Theresa von Lisieux“ und „Jesus heilt einen Gelähmten“.

Mehrerevergoldete Holzplastiken stammen aus dem ehemaligen Retabel (17.Jh.). Es handelt sich dabei um zwei Flachreliefs des Hauptaltars „die Krippe“ und „die Erscheinung des Engels an Gideon“ darstellend, Säulen und Pilaster, die einen Bogen oberhalb des Hauptaltars stützen und zwei Leuchter tragende Engel.  In der dahinter liegenden Sakramentskapelle befinden sichStatuen von Johannes dem Täufer und Maria Magdalena sowie Flachreliefs unterhalb der beiden Fenster.

Über dem Tabernakel des Hauptaltars bildet eine Palme ein Ziborium. Sie symbolisiert das Heilige Kreuzesopfer und den Ruhm der Auferstehung.

Die Kapelle steht mit ihrer gesamten Ausstattung seit 1995 unter Denkmalschutz.

 

 

 

Geschichte der Kapelle

 

Die Kapelle der „Pénitentsblancs“ (WeißeBüßer) liegt im Herzen des alten Montpellier. Sie ist der Hl. Jungfrau Foy geweiht, die um 290 in Agen den Märtyrertod erlitten hatte. Erbaut wurde sie zum Ende des
12. Jh. Sie ist zweifelsohne die älteste noch am ursprünglichen Orterhaltene Kirche im Stadtzentrum. Wir wissen jedoch praktisch nichts über ihr Aussehen und ihre Ausstattung in dieser Epoche.

Die Bruderschaft hat sich dort zu Anfang des 16. Jh. niedergelassen. Während der Religionskriege wurde die Kapelle zerstört und um 1568 gab es nur noch die Grundmauern und die durch einen Bogen mit dem Stadtpalais„HôtelJacques Cœur“ verbundene Fassade. Über mehr als ein halbes Jahrhundert diente der Ort als Friedhof.

Durch eine Anordnung des Bischofs von Montpellier, Monseigneur de Fenouillet, wurde die Ruine von SteFoy1623 der Bruderschaft zurückgegeben, die symbolisch ein Kreuz an der Fassade errichtete. Der Wiederaufbau wurde unmittelbar danach begonnen und die Kapelle am Heiligen Abend 1624 neu geweiht. Sie wurde in den Jahren 1633 und 1647 vergrößert und 1685 aufgestockt.

Vom  22. September bis zum 4. Oktober 1632 wohntenLudwig XIII und Anna von Österreich der Messe bei.

Während der Revolution wurde die Bruderschaft verboten, die Kapelle 1793 enteignet und als ein staatliches Gut verkauft. Sie diente dann u.a. als Lagerhalle, Schule, Scheune und drohte 1801 zu verfallen.

Sie wurde zunächst von der Bruderschaft angemietet, die noch offiziell verboten war, und schließlich am 30. Mai 1804zurückgekauft.Dank einerIntervention von  Jean-Jacques-Régis de Cambacérès, des Erzkanz-lers des Kaiserreiches und ehemaligen Prior der Bruderschaft (1790) wurde sie 1805 durch ein kaiserliches Dekret dem Kult zurückgegeben.Bedeutende Renovierungsmaßnahmen fanden während des gesamten neunzehnten Jahrhunderts,insbesonderein den Jahren 1805 und 1875 statt.

Im Jahr 1905, zur Zeit der Trennung von Kirche und Staat, versuchte die Staatsgewalt vergeblich, die Kapelle zu verstaatlichen. Die Bruderschaft konnte sowohl den privaten Charakter des Gebäudes wie auch dessen völlige Autonomie bewahren. Heute ist sie noch immer im Eigentum der als gemeinnützig anerkannten Gemeinschaft der „Pénitentsblancs“.Regelmäßig finden hier Gottesdienste, Eucharistische Anbetungen, Rosenkranz- und Kreuzwegandachten statt.

 

 

 

Die Bruderschaft

 

Zu ihren Mitgliedern zählen katholische Frauen und Männer, die hauptsächlich im Laienstand sind und aus allen sozialen Schichten stammen. Sie haben sich zusammen getan, um für das Wohl der Seelen zu beten und Nächstenliebe auszuüben. Die „Pénitentsblancs“ sind keine Ordensgemeinschaft und jede Bruderschaft ist unabhängig.

Der Habit der Brüder besteht aus einer Tunika, dem „Saq“, einem Gürtel aus Stricken und einer Kapuzenmütze als Zeichen der Demut. Unter ihrer Kapuze sind alle „Pénitentsblancs“  Geschwister und angehalten, sich nur Gott und ihren Nächsten aufzuopfern. Die Schwestern tragen ein Spitzentuch. Das Weiß erinnert an die Reinheit des Hl. Geistes und der UnbeflecktenEmpfängnis.

Die „Pénitentsblancs“ von Montpellier sollen um 1230 zur Zeit des Hl. Franziskus von Assisi und des Hl. Antonius von Padua in Erscheinung getreten sein. Aber erst im Jahr 1517 nahm die Bruderschaft ihre aktuelle Gestalt an. Sie ist dem Hl. Geist geweiht und steht unter dem Schutz der Hl. Jungfrau Maria. 1586 wurde die Kapelle SteFoyzerstört und die „Pénitentsblancs“ suchten vorübergehend Zuflucht in der Kirche SteCroix auf dem Place de la Canourge, die sie wieder errichteten.1623 konnte sich die Bruderschaft wieder in der Kapelle SteFoy niederlassen und sie neu aufbauen. Sie nahm ihre Aktivitäten im Gebet und in der Nächstenliebe wieder auf: Bestattung der Armen, Begleitung von Verurteilten und Besuche von Kranken.

Während der Revolution war die Bruderschaft verboten und konnte sich erst ab 1801 neu organisieren. Sie nahm wieder die Verteilung von Brot auf, unterstützte Mütter in Not und schuf 1876 wieder eine Krankenversicherung auf Gegenseitigkeit. Heute sorgt sie für den Unterhalt und die Renovierung der eigenen Kapelle und der öffentlichen Kreuze in der Stadt. Sie begleitet ebenfalls Bestattungen auf dem Friedhof St. Lazare.

Eine Reihe von „Pénitentsblancs“ haben in der Geschichte eine wichtige Rolle gespielt wie z.B. François Gigot de la Peyronie, Chirurg († 1747),

Henri Pitot,  Erbauer des Aquädukts „Les Arceaux“ († 1771),

DuchesseVictoire Louise Josèphe Goyon de MatignonFitz-James(1777),

Maria Caterina de Brignole-Sale, Prinzessin von Monaco(† 1813),

Marschall Charles O’Brien de Clare de Thomond(† 1761),

Kardinal Charles Antoine de La Roche-Aymon († 1777),

Kardinal Étienne-Hubert de Cambacérès († 1818),

Erzbischof von Rouen und dessen Bruder Jean-Jacques Régis de Cambacérès († 1824), Herzog vonParma und Regierungschef Frankreichs unter Napoleon I, sowie deren Mutter Rose de Vassal († 1779),

Charles-Maurice Grimaldi, Graf von Valentinois († 1798),

Antoine-Louis Séguier, Jurist und Politiker († 1792),

Princesse Elisabeth deRadziwill(† 1804),

Kardinal François-Marie-Anatole de Rovérié de Cabrières, Bischof von Montpellier († 1921),

Augustin Fliche, Historiker († 1951),

AlbertArnavielle(† 1927) und Frédéric Mistral(† 1914), provenzalische Dichter.

 

Die uns durch den andauernden Verfall der Kapelle und ihrer Kunstwerke auferlegte Restaurierung ist sehr kostspielige. Es ist aber notwendig, dieses unserer Stadt so wichtige und wertvolle religiöse Kulturdenkmal zu erhalten. Dieser Ort des Gebetes und der Andacht ist Eigentum der Frommen und Ehrwürdigen Bruderschaft der „Pénitentsblancs“die auch die öffentlichen Kreuze der Stadt betreut.

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DEVOTE ET RESPECTABLE CONFRERIE DES PENITENTS BLANCS DE MONTELLIER, CONSERVATRICE DES CROIX PUBLIQUES DE LA VILLE