DIE KAPELLE

 

DERWEIßENBÜßER

 

IN MONTPELLIER

 

 

Die Bruderschaft

 

Zu den Büßern zählen katholische Frauen und Männer. Sie sind grundsätzlich Laien, stammen aus allen sozialen Schichten und kommen zusammen, um zu beten und Nächstenliebe für das Wohl der Seelen auszuüben. Die Büßer sind keine Ordensgemeinschaft, jede Bruderschaft ist unabhängig. In Montpellier gibt es zwei von ihnen: die „Weißen Büßer“, die hier vor Ort sind und die „Blauen Büßer“ in der Rue des Étuves.

Der Habit der Weißen Brüder besteht aus einer Tunika, dem „Saq“, einem Gürtel aus Stricken und einer Kapuzenmütze als Zeichen der Demut. Unter ihrer Kapuze sind alle Büßer Brüder und sind angehalten, sich nur Gott und ihren Nächsten aufzuopfern. Die Schwestern tragen ein Spitzentuch. Das Weiß bezieht sich auf die Reinheit des Hl. Geistes und der unbefleckten Empfängnis.

Die Weißen Büßer von Montpellier sollen um 1230 zur Zeit des Hl. Franziskus von Assisi und des Hl. Antonius von Padua in Erscheinung getreten sein. Aber erst im Jahr 1517 nahm die Bruderschaft ihre aktuelle Form an. Sie ist dem Hl. Geist geweiht und steht unter dem Schutz der Hl. Jungfrau Maria. 1586 wurde die Kapelle SteFoyzerstört und die Weißen Büßer suchten Zuflucht in der Kirche SteCroix auf dem Place de la Canourge, die sie wieder errichteten. Letztere wurde aber ebenfalls abgebrochen.1623 konnte sich die Bruderschaft wieder in der Kapelle SteFoy niederlassen und sie neu aufbauen. Sie nahm ihre Aktivitäten im Gebet und in der Nächstenliebe wieder auf: Bestattung der Armen, Unterstützung von Verurteilten und Besuche von Kranken.

Während der Revolution war die Bruderschaft verboten und konnte sich erst ab 1801 neu organisieren. Sie nahm wieder die Verteilung von Brot auf, unterstützte Mütter in Not und schuf 1876 wieder eine Krankenversicherung auf Gegenseitigkeit. Heute sorgt sie für den Unterhalt und die Renovierung der eigenen Kapelle und der öffentlichen Kreuze in der Stadt. Sie begleitet ebenfalls Bestattungen auf dem Friedhof St. Lazare.

Eine Reihe von Büßern haben in der Geschichte eine wichtige Rolle gespielt wie z.B.

-          François Gigot de la Peyronie, Chirurg († 1747)

-          Henri Pitot,  Erbauer des Aquädukts „Les Arceaux“ († 1771)

-          DuchesseVictoire Louise Josèphe Goyon de MatignonFitz-James († 1777)

-          Maria Caterina de Brignole-Sale, Prinzessin von Monaco († 1813)

-          Marschall Charles O’Brien de Clare de Thomond († 1761)

-          Kardinal Charles Antoine de La Roche-Aymon († 1777)

-          Kardinal Étienne-Hubert de Cambacérès († 1818), Erzbischof von Rouen und dessen Bruder Jean-Jacques Régis de Cambacérès († 1824), Herzog von Parma und Regierungschef Frankreichs unter Napoleon I, sowie deren Mutter Rose de Vassal († 1779)

-          Charles-Maurice Grimaldi, Graf von Valentinois († 1798)

-          Antoine-Louis Séguier, Jurist und Politiker († 1792)

-          Princesse Elisabeth deRadziwill († 1804)

-          Kardinal François-Marie-Anatole de Rovérié de Cabrières, Bischof von Montpellier († 1921)

-          Augustin Fliche, Historiker († 1951)

-          AlbertArnavielle († 1927) und Frédéric Mistral († 1914), provenzalische Dichter

 

Die uns durch den andauernden Verfall der Kapelle und ihrer Kunstwerke auferlegte Restaurierung ist eine sehr kostspielige Angelegenheit. Es ist aber dennoch notwendig, dieses unserer Stadt so wichtige und wertvolle religiöse Wahrzeichen zu erhalten. Dieser Ort des Gebetes und der Andacht ist Eigentum der Frommen und Ehrwürdigen Bruderschaft der Weißen Büßer, die auch die Betreuerin der öffentlichen Kreuze in der Stadt ist.

 

 

Führung durch die Kapelle

 

Die Außenfassade stammt zum Teil aus dem 12. und 13. Jh. mit einer Glocke aus dem Jahr 1401.  Das Eingangsportal wurde im 15. Jh. angebaut. Das Tor selbst und der sich dahinter befindende Windfang  von 1747 sind ein schönes Beispiel für den Rokokostil. Nach dem Wiederaufbau im Jahr 1626 bezeichnete man die Kapelle als eine „einfache Halle“ wegen ihrer weißen Wände und dem nackten Gebälk. Die Innenausstattung erfolgte zwischen 1641 und 1706. Der Büßer sollten sich „umfangen fühlen von Kunstwerken, die zum Gebet führen“. Die Ausschmückung wurde im 19. Jh. restauriert und ergänzt.

Zu denbedeutensten Ausstattungsgegenständen zählen:

Die Kassettendecke aus dem 17. Jh. wird hauptsächlich den Kunstmalern Paul Pezet und Simon Raoux aus Montpellier zugeschrieben. Das Programm stellt im Geiste des Konzils von Trient das Leben Jesu Christi eingerahmt von den vier Evangelisten dar. Die letzten sechs Tafelbilder sind während der Französischen Revolution verloren gegangen. Die Medaillons und die Malereien oberhalb der Fenster stammen von  Antoine Ranc.

Die Wandvertäfelung aus vergoldetem Holz wurden zwischen 1698 und 1706 von Augustin-Charles d’Aviler entworfen und ausgeführt, der unter anderem der Schöpfer des Triumphbogens am Peyrou war. Zu Ende des 19. Jh. wurden die Büßer gezwungen, die Fenster an der Südseite zuzumauern, wodurch die Kapelle seitdem in Dunkelheit getaucht wird.

Der untere Teil der Wände ist mit folgenden Gemäldengeschmückt (v.a.19. Jh.):

Auf der Seite der Kanzel, ausgehend vom Hauptaltar:

„Hl. Ludwig  verehrt die Hl. Épine“, „Hl. Jérome in der Wüste“ (J.Moulinier), „Hl. Johannes der Täufer“ (Kopie von Vien),  die „Kreuzigung“ (17. Jh.) auf der Rückwand der Kanzel,  „Rast der Hl. Familie“ von Bézartund „Pietà“.

Auf der gegenüberliegenden Seite:

„Das Gelübde von Ludwig XIII“ (J.J.Reynes), „die Samariterin“, „Hl. Genoveva“ (18. Jh.), die Kapelle der Hl. Jungfrau  (Altar 2015 restauriert), „Kreuzabnahme“, die Kapelle der Hl. Therese von Lisieux und „Jesus heilt einen Gelähmten“

Eine Reihe von vergoldeten Holzskulpturen stammt aus dem ehemaligen Retabel. Sie schmücken den Hauptaltar und hinter diesem die Sakraments-Chorkapelle: Säulen und Pilaster einen Bogen oberhalb des Hauptaltars tragend, Fackeln tragende Karyatiden, Statuen von Johannes dem Täufer und Maria Magdalena sowie niedrige Reliefs unterhalb der beiden Fenster.

Über dem Tabernakel des Hauptaltars bildet eine Palme ein Ziborium. Sie symbolisiert das Heilige Kreuzesopfer und den Ruhm der Auferstehung.

Die Kunstwerke stellen ein Ensemble künstlerischer Kohärenz und Reichtums dar. Dies rechtfertigte,die Kapelle mit ihrer gesamten Ausstattung als „Monument Historique“ zu klassifizieren und zu schützen (1995).

 

 

 

 

Geschichte der Kapelle

 

Die Kapelle der Weißen Büßer liegt im Herzen des alten Montpellier. Sie ist der Hl. Jungfrau Foy geweiht, die um 290 in Agen den Märtyrertod erlitten hat. Erbaut wurde sie zum Ende des 12. Jh. Die erste urkundliche Erwähnung findet sich etwas später um 1228 in der Bulle von Maguelone. Sie ist zweifelsohne die älteste noch am ursprünglichen Orterhaltene Kirche im Stadtzentrum. Wir wissen jedoch praktisch nichts über ihr Aussehen und Ausstattung in dieser Epoche. Erstmalig wurde sie im 14. Jh.umgestaltet.

Die Bruderschaft hat sich dort zu Anfang des 16. Jh. niedergelassen. Während der Religionskriege wurde die Kapelle zerstört und um 1568 gab es nur noch die Grundmauern und die durch einen Bogen mit dem StadtpalaisHôtelJacques Cœur verbundene Fassade. Über mehr als ein halbes Jahrhundert diente der Ort als Friedhof.

Durch eine Anordnung des Bischofs von Montpellier, Monseigneur de Fenouillet, wurde die Ruine von SteFoy endlich der Bruderschaft zurückgegeben, die symbolisch ein Kreuz an der Fassade errichtete. Der Wiederaufbau wurde unmittelbar danach begonnen und die Kapelle am Heiligen Abend 1624 eingeweiht. Sie wurde in den Jahren 1633 und 1647 vergrößert und 1685 aufgestockt.

Vom  22. September bis zum 4. Oktober 1632 hielten sich Ludwig XIII, und Anna von Österreichim Hôtel Jacques Cœurauf und wohnten der Messe in der Kapelle zumindest am ersten Sonntag im Oktober bei.Die Bruderschaft gestattete 1651 bis 1655 der Geistlichkeit von Notre-Dame-des-Tables, ihre Gottesdienste während  des Wiederaufbaus ihrer 1621 zerstörten Pfarrkirche abzuhalten. In jenem Jahr hatten alle Kirchen der Stadt dieses Schicksal erlitten.

Während der Revolution wurde die Bruderschaft verboten, die Kapelle 1793 enteignet und als ein staatliches Gut verkauft. Sie diente dann u.a. als Lagerhalle, Schule, Scheune und drohte 1801 zu verfallen.

Sie wurde zunächst von der Bruderschaft angemietet, die noch offiziell verboten war, und schließlich am 30. Mai 1804zurückgekauft. Durch ein kaiserliches Dekret wurde sie 1805 dem Gottesdienst zurückgegeben.  Dies ermöglichtedie Intervention von  Jean-Jacques-Régis de Cambacérès, Erzkanzler des Kaiserreiches und ehemaligem Prior der Bruderschaft (1790). Bedeutende Renovierungsmaßnahmen fanden während des gesamten neunzehnten Jahrhunderts,insbesonderein den Jahren 1805 und 1875 statt.

Im Jahr 1905, zur Zeit der Trennung von Kirche und Staat, versuchte die Staatsgewalt vergeblich, die Kapelle zu verstaatlichen. Die Bruderschaft konnte sowohl den privaten Charakter des Gebäudes wie auch dessen völlige Autonomie bewahren. Heute ist sie noch immer im Eigentum der als gemeinnützig anerkannten Gemeinschaft der Weißen Büßer.Regelmäßig finden hier Gottesdienste, Anbetungen, Rosenkranz- und Kreuzweggebete statt.

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DEVOTE ET RESPECTABLE CONFRERIE DES PENITENTS BLANCS DE MONTELLIER, CONSERVATRICE DES CROIX PUBLIQUES DE LA VILLE